Clements Verkehrsnachrichten

Vollweib?

Ulrich Clement

Nicht daß mich die veröffentlichten Affären und Scheidungskriege der Promis mehr interessieren würde als die der unbekannten Liebeskümmerer, aber manchmal tauchen da begriffliche Fragen auf. Die Schauspielerin Christine Neubauer läßt uns nach ihrer Scheidung über die „Bunte“ wissen, daß sie 15 Kilo abgenommen hat und resümiert: “Das einzige, was ich vielleicht bedauere, ist, dass meine Oberweite auch abgenommen hat. Aber ich bin immer noch ein Vollweib.”  Geht das nach Gewicht?

Im Rahmen meiner Interessen an der Gender-Forschung frage ich: Was ist ein Vollweib? Welche relevante Unterscheidung wird da gemacht? Vollweib im Unterscheid zu einem Halbweib – klingt etwas weinerlich, falls es das überhaupt gibt? Oder Vollweib im Unterschied zu einer Vollfrau – die unerotische Schwester des Vollweibs? Überhaupt: Ist “Vollweib” ein erotischer Begriff?

Meine kluge Tochter (19) half mir erstmal aus dem Rätsel. Ein Vollweib sei das Gegenteil von einem Hungerhaken.  „Weib halt!“. Als ich ihr entgegenhalte, daß die Erklärung eines Begriffs nicht den Begriff selbst enthalten dürfe, konkretisiert sie: „Volle naturkurvige Formen und herzliche Ausstrahlung. So daß sie ein Dirndl tragen kann, ohne daß es peinlich ist.“  Ach so!

 

11 Kommentare »

  1. Diese Dirndltrag-Peinlichkeitsprüfung geht nicht ohne Sprachtest ab ,was jeder Komödienstadl-Kucker weiß, der mal des Bayrischen Unkundige dabei hat mitspielen sehen.

    Kommentar by MatO — 17. Januar 2012 @ 20:59

  2. Respekt, wie wir Bayern sagen. Ihre Frau Tochter ist nicht nur klug – sie is gscheit! Frau Neubauer wird nun hoffentlich nicht zu einer Zwiderwurzn… wobei ihr Geschwätz bzgl. Oberweite darauf hindeuten könnte.

    Kommentar by Jaul Reifebohne — 17. Januar 2012 @ 21:05

  3. Scheidung offenbar eine spezielle Form der Abmagerunsgkur. Jetzt weiss ich endlich, was unter Trennkost zu verstehen ist.

    Kommentar by FBSimon — 17. Januar 2012 @ 22:55

  4. Von Trennkost spricht der Kenner dann
    wenn ein Ehepaar nicht mehr –
    und fällt´s den beiden noch so schwer -
    an gleicher Tafel speisen kann.
    (Günther B. Merkel)

    Kommentar by MatO — 18. Januar 2012 @ 08:53

  5. Joschka Fischer hat damals nach seiner unfreiwilligen Trennung auch an Körpergewicht abgenommen, ziemlich viel sogar,und er hat sich wieder bewegt.
    Was sagt die Genderforschung dazu ? Woran erkennen wir einen ganzen Mann ?

    Kommentar by werner — 19. Januar 2012 @ 11:55

  6. 15 kg … das ist durchaus ein schwerer Verlust für uns “Vollweiber”. Gesellschaftlich konstruiert ist ja aktuell in unserer Kultur ein Muss des Schlankseins und eine sehr, sehr dünne Frau wird (meines Alltagswissen nach) dennoch schneller und einfacher akzeptiert, als eine Frau die dicker ist. Laut einer Verzehrstudie in Deutschland sind ca. 60% der Männer übergewichtig, aber in manchen Bundesländern sind es gerade mal 40% der Frauen. “Vollweib” heißt für mich nicht nur ein volles Dekollté, sondern eine Frau, die “voll” im Leben steht. Man muss sich gegen Vorurteile wehren, gegen Untoleranz, gegen die unzähligen Chicas. Vielleicht ein geschlechtspezifische Umschreibung für “extrovertiert”?! Wenn wir uns an Marilyn Monroe erinnern, sie trug Kleidergröße 42, ein Idealbild einer vollgebärfähigen/ vollkurvigen Frau…

    Kommentar by Joleena — 19. Januar 2012 @ 22:40

  7. @6: Hängt “voll im Leben stehen” denn nun am Gewicht (hat also was mit Schwerkraft zu tun) oder nicht? Ist es einer leichtgewichtigen Frau möglich, voll im Leben zu stehen? Oder würde sie, sollte sie ihren Stand tatsächlich verbessern, sofort zunehmen?

    Kommentar by Holger Huckfeldt — 24. Januar 2012 @ 07:31

  8. Ich desillusioniere ungern, aber Kleidergröße 42 von 1950 dürfte heute KF 38 entsprechen (Stichwort “sizeGermany” oder die stete Anpassung der KF-Größen an die Volumenzunahme der Vollmenschen). Und mit dem Gebären hat das leider bei ihr auch nicht recht geklappt.

    Überhaupt Marilyn Monroe, da kommt einem das “Rasseweib” in den Sinn, aber das war “Joe” (oder Jerry?) alias “Daphne” in “Manche mögen’s heiß” – und in den 50ern noch nicht jenseits der political correctness. Stichwort Mann: Was ist denn das Pendant zum Vollweib? Weib/Kerl Vollweib/Vollkerl? Klingt wie Vollpfosten.

    Kommentar by TPunkt — 25. Januar 2012 @ 12:41

  9. Bei Marilyn kommt einem gleich das “Rasseweib” in den Sinn, – Joe alias “Daphne” in “Manche mögen’s heiß”, ein Mann oder doch noch eine weitere Sorte “Weib” (in den 50ern offensichtlich noch nicht politisch inkorrekt)!Wie sieht es überhaupt mit dem männlichen Pendant zum Vollweib aus? Vollkerl, Vollmann? Und wie stellen wir uns beim Mann “vollkurvig” vor? Neue Fragen für die Genderforschung.

    PS: Die KF 42 dürfte heute einer KF 38 entsprechen, leider leider (Stichwort “sizeGermany” oder die stete Anpassung der KF an die zunehmenden Körpermaße der Vollmenschen).

    Kommentar by TPunkt — 25. Januar 2012 @ 16:41

  10. Gefaellt mir gut die Seite. Tolle Themenwahl.

    Kommentar by Sascha — 3. Februar 2012 @ 16:41

  11. Ich stelle mir gerade die Frage, was Christine Neubauer möglicherweise mit ihren 15 Kilo noch abgenommen hat, oder ob sie etwas dazu gewonnen hat, und außerdem überlege ich ob Christine Neubauer jetzt in die Fußstapfen von Susanne Fröhlich tappt. Und wie es dann weitergeht. Ja, vielleicht wirklich nur mein Neid!!!?

    Kommentar by Anonym — 21. Februar 2012 @ 12:10

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