Das Wunder von Rustenburg (Kleine Phantasie zur Überbrückung der Wartezeit)
Norbert Bolz
Am 27.6. wird die Bildzeitung mit der Schlagzeile aufmachen: “Das Wunder von Rustenburg”. Doch der Reihe nach.
Ich mag Klose, und zwar noch aus seiner Zeit bei meinem FCK, bei dem er groß geworden ist. Doch seit vielen Monaten ist er der Mann, “der keine Bälle mehr bekommt”. Liebeskummer? Familiäre Probleme? Hier wissen Klatschreporter sicher mehr als Soziologen. Gestern hatte Klose, der – und darum geht es! – trotzdem gespielt hat, gefühlte drei Ballkontakte. Dagegen haben dann Cacau und Marin wunderbar gespielt. Die Sache scheint einfach: Klose raus, Cacau rein. Doch das ist ein Denkfehler. Cacau und Marin werden uns in der Vorrunde noch Freude machen: Australien – da können sie zaubern. Doch wenn es ernst wird, nämlich als Vorrundenzweiter gegen England, stoßen diese sympathischen, spielfreudigen Jungs an ihre Leistungsgrenze. Und deshalb hat Löw recht, an Klose festzuhalten. Klose ist der einzige deutsche Weltklassestürmer, der sich nur daran erinnern muß, dass er es ist. Wir liegen am 26.6. in der 75.Minute 0:1 gegen England zurück, Klose wird in einem Akt der Verzweiflung eingewechselt – und schießt uns in die Verlängerung. Dann wird es einfach: Elfmeterschießen gegen England.
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Wunderbar! Meine volle Zustimmung: So wird es sein, so soll es ein! Zumal sich in Kloses Hirn tiefe Weisheiten versammeln. Auf die Frage, ob es etwas Schöneres gebe, als ein Fußballstar zu sein, antwortete er: Ja, Frau eines Fußballstars. (Siehe Konrad Adenauer: An der Oberfläche scheinen die Dinge sehr verwirrend und kompliziert zu sein, aber in der Tiefe sind sie sehr einfach.)
Leider hat Klose zwei Fehler gemacht, erstens: vom Betzenberg wegzugehen – nach Bremen; zweitens: von Bremen wegzugehen – nach München. Hans im Glück, sozusagen, mit tragischer Pointe. Es sollte sich jemand systemisch um ihn kümmern.
Aber warten wir auf die 75. Minute …
Gruß –
Uli Wetz
Kommentar by Uli Wetz — 4. Juni, 2010 @ 10:15 Uhr